Samstag, 21. Juni 2014

"Sie haben doch einen Eid
geschworen, den Menschen zu helfen"

Fortsetzung des elrawi-Reports

06.06.2014

Kellervariationen

Inzwischen ist schon wieder einiges an Zeit davongelaufen, aber ich habe mich auch mit meinem allerbesten Willen nicht aufraffen können, weiter zu schreiben. Im Augenblick scheine ich mal wieder im Keller zu hängen, mit ganz viel Anstrengung gelingt es mir zwar immer wieder, den anderen zu versichern, mir geht es gut, aber es kostet mich meine ganze Kraft.

Es bleibt nichts mehr übrig für andere Aktivitäten, ich muss eingestehen, dass ich furchtbar faul geworden bin. Nun sagt mein Neurologe zwar: Nein, nein, das ist keine Faulheit, das ist Antriebslosigkeit und Nullbockmotivation! Typisch für Parkinsonkranke, aber völlig untypisch für mich!

Natürlich gibt es ja für und gegen alles irgendein Pülverchen und auch ich habe natürlich wieder eines in Tablettenform bekommen. Ich war einverstanden, wenn diese Tabletten mich nicht noch mehr dösig machen und mir damit ganz und gar das Aufstehen vermiesen.

Natürlich hat mein Neurologe etwas gefunden und ich nehme nun fleißig diese Sertralin, um mal wieder etwas aktiver zu werden. Scheint sogar zu funktionieren. Wenn ich vorher sogar zu faul war, meinen Arm auszustrecken, um zu meinen Zeiten meine Medikamente zu nehmen (die Medis befinden sich immer auf dem Schränkchen neben meinem Bett), dann bin ich jetzt schon wieder etwas aktiver, fange zumindest mal wieder dieses und jenes an, habe sogar mal wieder getöpfert.

Aber, ich bin Verpflichtungen eingegangen, indem ich mich bei verschiedenen Foren habe registrieren lassen und es ist ziemlich schwierig, diesen Verpflichtungen nun nachzukommen.

Jedes Forum lebt davon, dass seine Mitglieder miteinander kommunizieren, dass sie nicht nur lesen, sondern auch mal selber Stellung nehmen zu diesem oder jenem Thema.

Leider bin ich gerade in diesem Punkt im Moment ein völliger Versager, kann mich schlecht konzentrieren, kann schlecht sitzen, kann kaum die Finger richtig bewegen, bin nach jeder Kleinigkeit völlig kaputt und fertig.

Obwohl ich erst am Anfang dieses Jahres eine neue Batterie für meinen Stimulator bekommen habe und ich mich anfangs auch wieder sehr wohl gefühlt habe, geht es jetzt wieder mit Riesenschritten bergab. Ich brauche auch wieder wesentlich mehr an Medikamenten, damit überhaupt eine Wirkung da ist und als ich meine Neurologen damit konfrontierte bekam ich als Antwort nur: Sie wissen doch, dass der Parkinson fortschreitet!

Stimmt, ich weiß das! Aber …!!!!!!!!!!!!!!!

Als ich mich 2010 dieser Operation aussetzte, sagten mir meine Ärzte, naja, dieser Stimulator bzw. die Batterie desselben, hält 5 bis 7 Jahre. Natürlich habe ich mir da auch Hoffnungen gemacht, dass während dieser Zeit auch mein Parkinson etwas kürzer tritt, d. h., ich habe fest geglaubt, dass es nun nicht mehr mit solchen Riesenschritten vorwärts geht. Aber nicht nur, dass diese Batterie nach 3 Jahren wieder gewechselt werden musste, auch jetzt gibt es schon wieder Schwierigkeiten, vor allem Steifigkeit und was ich als noch schlimmer empfinde sind diese elektrifizierten Beine und Füße. Als wäre ständig Strom in ihnen, ein ganz schlimmes Gefühl und man kann es auch nicht mit Ameisenkribbeln beschreiben, wenn das ständig so wäre, müsste man mich in die Klapsmühle schaffen, so arg ist dieses Gefühl.

Ich will auch gar nicht abstreiten, dass all diese „Wehwechen“ mit den Schmerzen zu tun haben, die ich seit vorigen Sommer, als ich in der Uniklinik zur Einstellung war, habe. Ich habe mir dort einen Bandscheibenvorfall zugezogen, den erst mal drei Wochen lang niemand behandelt hat. Ich hatte jeden Tag mehr Schmerzen und ich habe jeden Tag bei der Visite gesagt, dass ich fast nicht mehr auftreten kann mit dem linken Bein, es wurde nichts unternommen. Die Ärzte dort waren der Meinung, die Schmerzen kämen von Dyskinesen, die dadurch verursacht waren, dass mein Stimulator zu hoch eingestellt war.

Mein Stationsarzt wollte mir dann helfen und bat darum, dass die Orthopäden dieser Klinik sich das mal ansehen sollten, leider war er aber noch Assistent, ich kann mir nur vorstellen, dass dies der Grund war, weshalb die Orthopäden sich getrauten, ohne mich mal anzusehen bzw. zu schauen, wie ich laufe per Computer auf unsere Station übermittelten, das wäre nicht lebenswichtig, die soll zu Hause zu ihrem Orthopäden gehen.

Ich weiß, dass ich euch das schon einmal in einem meiner Beiträge erzählt habe. Aber, ich bin bis heut noch nicht fertig damit, schon weil ich reichlich ein halbes Jahr solche wahnsinnigen Schmerzen hatte, die laut Aussage meiner Orthopädin nicht hätten sein müssen, wäre gleich mit einer Schmerzbehandlung begonnen worden.

Es ist nicht nachzuvollziehen, mit welchem Dünkel solche Ärzte handeln, sie haben doch einen Eid geschworen, den Menschen zu helfen. Leider zählen heut nur noch Profit, Imagedenken, sich irgendwie zu profilieren und wenn es auf Kosten anderer ist. Man könnte verzweifeln, wenn man nicht auch Ärzte und medizinisches Personal kennt, die ihrem Berufsethos alle Ehre machen, die sich noch selbstlos für ihre Patienten einsetzen, zu meinem Glück habe ich auch solche Ärzte, bei denen ich in Behandlung bin.

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